|
GRUNDSCHULE
AN DER LEYBUCHT
Am Dorfteich 57
26506 Norden/Leybucht
Tel.: 0 49 26 - 793
Fax: 0 49 26 - 91 20 70
|
|
Schulchronik
Auszug aus der Festtagsschrift von 2005
Schulleiter Heinz Fischer (1955-1968)
Herzlichen Glückwunsch,
liebenswerte Grundschule “An der Leybucht”, zu deinem Geburtstag!
Du nullst und setzt eine Fünf voran,
-schon ist das halbe Jahrhundert deiner Existenz dokumentiert.
Wer hätte gedacht, dass du heute noch lebst, zumal es doch einige
Turbulenzen im Leben der kleinen Landschulen gab.
Als du noch eine Idee von Planern warst, wurde mir zugesteckt, mich
einmal in dem jüngst eingedeichten Leybuchtpolder umzusehen, denn dort
entstände etwas Neues, Interessantes, Einmaliges: deine Gründung auf
einem Boden ohne jegliche Tradition, deine Schüler von hier und dort,
von Vätern, die unter mühseligsten Bedingungen am Deich geschuftet
hatten, von Eltern, die von Haus und Hof verjagt waren. Ins Auto und
hin!
Vom Sommerpolder her durch den Deich: vor uns nichts als Unland, eine
weite Ebene, Gras, Gräben, in der Ferne die Deichlinie. Sandkästen mit
tiefen Wagenspuren...
"Hier sollen wir wohnen?" die bange Frage der still gewordenen
Begleiter.
Vor dem letzten zur Dorfmitte hin gebauten Haus die Bäuerin. "Wo soll
denn die Schule gebaut werden?" "Dort, wo der lange Pfahl mit dem
Kreuz drauf steht." Gesehen.
Häuser auf der Hohen Plate, so aufs grüne Feld gesetzt, rundherum
ratzekahl, aber schon beackertes Feld.
Wenige Jahre später: Weißt du eigentlich, inzwischen "Dorfeigene
Schule" genannt, dass deine Wohnung, das Schulgebäude, auf Stelzen
steht? Auf bis zu 18 m langen hölzernen Stelzen? Die Dampframme
hämmerte sie mit lautem Getöse hinab bis auf den tief liegenden
einstigen Meeresgrund. 'Wer auf Sand baut, hat wohl gebaut. 'Drum
steht deine Wohnung, nun "Schule im Grünen", heute noch genauso fest
und sicher wie vor Jahrzehnten. Es pfiff ein Sturm übers Land. Ein Hof
hatte plötzlich nur noch ein vom Wind durchblasenes Lattendach.
Merkwürdiges Knarren der Sparren auf dem Dachboden deines Gebäudes!
Seitdem wehren hölzerne Schwerter jedes Toben des Sturmes ab. "Schule
und Wald"- der Tenor einer besonderen Erziehungsaufgabe. Bäume und
Büsche schützen dich längst gegen den Nordwest, manche sind schon
gefällt.
Viel zu groß damals!
Drei Klassen-, zwei Gruppenräume, einer davon die Bühne, ein Werkraum,
eine Lehrküche, die erste weit und breit. "Wat sall dat?" Die Bühne
animierte zum Theater spielen, schon zu deiner ersten Geburtstagsfeier
ein nachdenkliches Krippenspiel. Das einte schon mal deine kurz vorher
eingezogenen Mädchen und Jungen. Und Leben in der Lehrküche! Unter
ihrem weißen Kopftuch und hinter ihrer
schneeweißen Schürze schwingen die älteren Mädchen den Kochlöffel über
dem riesigen Kohleherd oder einem(!) Elektroherd. Was sie lernten,
passte nicht jedem. "Sull´n man ´n realen Pott Artsopp kaken", so
einmal der Ortsbrandmeister
bei einer Feuerschutz Inspektion.
Kennst du noch, liebe Volksschule Leybuchtpolder, Boomgardens 'geheime
Waffe? Osteeler-Altendeicher ließen ihre Schüler zu dir in die
Leybucht fahren, 17 Jungen und Mädchen, groß und klein, in den VW-Bus.
Da fing das Busfahren rund um die Leybucht an.
Die kleinen Schulen starben.
Bildungsnotstand auf dem Lande! Aber du hast durchgehalten, wenn auch
zur Grundschule abgestuft. Hatten deine Schüler nichts geleistet oder
leisteten sie nichts?
Das Gymnasium Norden ließ verlauten: Die Leybuchtschule schickt,
bezogen auf ihre Schülerzahl, die meisten Schüler zur höheren Schule.
Auch an der Realschule setzten sich die Landkinder durch, und die
Handelsschule nahmen diejenigen gerne auf, die vorher den Absprung
nicht gewagt hatten. "Eine Lehrstelle zu finden, kein Problem für uns
aus dem Polder", so eine deiner Schülerinnen der ersten Jahrgänge.
Gute Zeiten! Deine Pläne der Förderung wurden auch abgelehnt: R.
sollte zur Handelsschule. "Nein, sie muss der Mutter helfen." M.
winkte die Realschule. "Dat is nix för us Sort Lü." Endlich bist du "Verläßliche
Grundschule" mit einer großzügigen baulichen Erweiterung, einer
bestaunenswerte Ausstattung und einer Handvoll, ich denke, tüchtiger
Mitarbeiter.
Zu beneiden! Wirklich?
Meint einer deiner Schüler, nach Erlebnissen
während der Ferien befragt:
"Gut, dass es hier wieder anfängt."
Bleib noch lange dem Dörflein und
seinen Nachbarn erhalten! Alles Gute!
Dein Heinz Fischer
|